Fachkräftemangel im Einkauf oder Organisationsproblem?

Kivanc Karakoc // April 8  

Es gibt keinen Fachkräftemangel im Einkauf.

Es gibt ein Organisationsproblem.
Und das ist hausgemacht.

Eine steile These – aber sie hält der Realität in vielen Unternehmen stand.

In Diskussionen rund um den „War for Talents“ im Einkauf werden oft dramatische Zahlen genannt:

→ 83 % der Unternehmen erwarten laut DIHK negative Folgen durch fehlende Fachkräfte
→ Babyboomer gehen in Rente
→ Know-how verschwindet

Alles richtig.

Aber es ist nur die halbe Wahrheit.

Denn was in vielen Einkaufsorganisationen passiert, hat weniger mit fehlendem Talent zu tun –
sondern mit fehlender Struktur.

Ein Blick in den Alltag vieler Einkaufsabteilungen zeigt:

→ Einkäufer beschäftigen sich mit Lieferantenanlagen, Vorkasserechnungen und fehlenden Belegen
→ Rückfragen aus der Buchhaltung gehören zum Tagesgeschäft
→ Strategische Arbeit bleibt auf der Strecke

Die Konsequenz:

Gute Einkäufer haben keine Kapazität für das, wofür sie eigentlich eingestellt wurden.

Und genau deshalb:

→ verlassen sie das Unternehmen
→ oder entscheiden sich gar nicht erst dafür

Aktuelle Zahlen zeigen zudem ein differenzierteres Bild:

→ Nur noch 22,7 % der Unternehmen berichten von Fachkräftemangel (ifo Institut, 2026)
→ In der Industrie sogar nur 16,6 %
→ Die Fachkräftelücke ist laut IW um rund 18 % gesunken

Das bedeutet:

Der Markt gibt Fachkräfte her.

Aber Unternehmen verlieren sie –
an schlechte Prozesse, fehlende Wertschätzung und operative Überlastung.

Typische Muster aus der Praxis:

  1. Einkäufer werden in operative Prozesse gedrängt
    → statt strategisch zu arbeiten, verwalten sie
  2. Grundprobleme bleiben ungelöst
    → Einmalbedarfe, C-Teile und Maverick Buying laufen unstrukturiert weiter
    → gleichzeitig werden neue Stellen geschaffen
  3. Attraktive Rollen fehlen
    → die besten Einkäufer wollen gestalten, nicht abarbeiten

Auch technologische Lösungen werden oft überschätzt.

KI kann Prozesse beschleunigen –
aber nur, wenn diese sauber aufgesetzt sind.

KI auf ineffiziente Prozesse zu setzen, bedeutet:

Schneller schlechte Ergebnisse.

Und auch Interim Management oder Outsourcing greifen zu kurz,
wenn die Grundstruktur nicht stimmt.

Was wirklich hilft:

→ operative Prozesse gezielt entlasten (z. B. Einmalbedarfe konsolidieren)
→ strategischen Freiraum im Einkauf schaffen
→ in Mitarbeiterentwicklung und Organisation investieren
→ Rollen gestalten, die echte Verantwortung ermöglichen

Am Ende zeigt sich:

Fachkräftemangel ist oft nur ein Symptom.

Die eigentliche Ursache liegt in der Organisation selbst.

Wer seine Prozesse löst, löst auch sein Personalproblem.

Nicht umgekehrt.

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