Gestern wurde im Einkauf mehr Geld versteckt als in jedem Osternest.
Kein Witz.
Während viele auf der Suche nach Ostereiern waren, haben Unternehmen weiterhin Prozesskosten bezahlt –
ohne sie zu sehen.
Ohne sie zu messen.
Ohne sie zu hinterfragen.
Denn genau hier liegt ein blinder Fleck im Einkauf.
Die Rechnung, die kaum jemand macht:
Eine einzige Einmalbestellung verursacht intern im Schnitt 4–6 Stunden fragmentierte Arbeit.
Über alle Beteiligten hinweg:
→ Bedarf klären
→ Lieferant suchen
→ Angebot einholen
→ Bestellung anlegen
→ Freigaben einholen
→ nachfassen
→ Wareneingang prüfen
→ Rechnung kontrollieren
→ Klärfälle lösen
→ buchen, zahlen, archivieren
Bei internen Vollkosten von 60–90 € pro Stunde ergibt sich:
→ rund 350 € Prozesskosten pro Bestellung
Und das jedes Mal.
Das bedeutet:
Eine Bestellung mit 300 € Warenwert
verursacht zusätzlich etwa 350 € interne Kosten.
Warenwert und Prozesskosten liegen damit auf demselben Niveau.
Und das ist kein Einzelfall –
sondern der Normalzustand bei Einmalbedarfen.
Jetzt wird es relevant:
→ 1.000 Bestellungen pro Jahr = 350.000 € Prozesskosten
→ 5.000 Bestellungen pro Jahr = 1.750.000 €
→ 10.000 Bestellungen pro Jahr = 3.500.000 €
Reine Prozesskosten.
Ohne Zusatzkosten wie Expresslieferungen, Reklamationen oder entgangene strategische Zeit im Einkauf.
Die entscheidende Frage:
Warum verhandeln Unternehmen bei Einmalbedarfen über 3 % Preisnachlass –
ignorieren aber gleichzeitig 350 € Prozesskosten pro Vorgang?
Die Antwort ist einfach:
Weil diese Kosten unsichtbar sind.
→ sie tauchen in keinem klassischen Reporting auf
→ sie werden auf mehrere Abteilungen verteilt
→ sie gehören niemandem eindeutig
Typische Anzeichen für dieses Problem:
→ viele Lieferanten mit sehr kleinen Einkaufsvolumina (Tail Spend)
→ hoher Anteil an E-Mail- oder PDF-Bestellungen
→ viele Klärfälle in der Kreditorenbuchhaltung
→ Fachbereiche bestellen am Einkauf vorbei
→ „Einmalbedarfe“, die regelmäßig wiederkehren
Der größte Hebel im Einkauf liegt daher nicht im Preis.
Er liegt im Prozess.
In der Praxis zeigt sich immer wieder:
Unternehmen, die Einmalbedarfe konsolidieren, Lieferantenkomplexität reduzieren und klare Bestellstrukturen schaffen, sparen nicht nur marginale Prozentsätze.
Sie reduzieren ihre internen Aufwände um 30–50 %.
Ein bewährter Ansatz dafür ist das Ein-Kreditor-Modell:
→ ein zentraler Kreditor
→ keine Lieferantenanlage für Einmalbedarfe
→ keine Vorkasse
→ vollständige Dokumentation
→ klare und geführte Prozesse
Das Ergebnis:
Der Einkauf gewinnt Zeit zurück –
für die Themen, die wirklich Wert schaffen.
